Inklusive Bildung

 

 

    „...eine Erziehung, die den Frieden anstrebt,
    müßte von allen als ein grundlegender und
    unerläßlicher Faktor, als Ausgangspunkt, als eine
    die gesamte Menschheit betreffende Frage
    betrachtet werden.“

    (M. Montessori, Int. Montessori-Kongress,
    Kopenhagen 1937)



Die Erziehung zur Gemeinsamkeit und zum Frieden ist noch nicht in allen Teilen der Gesellschaft angekommen.
Man muss hoffen, dass wirklich alle Gruppen der Gesellschaft ein eigenes und ausreichend starkes Interesse an einer Erziehung zum Leben in Vielfalt haben.
Entsprechend der Richtlinien und Lehrpläne ist die Erziehung zum Frieden festgeschriebenes Ziel schulischen Unterrichts. Kein Kind darf davon ausgenommen oder ausgeschlossen werden. Dies ist die Grundlage, auf der alle Kinder lernen, dass jeder die gleichen Rechte in der Gesellschaft besitzt. Niemand darf aufgrund Herkunft, Religion, Sprache, Behinderung oder anderer Besonderheiten ausgeschlossen werden.

Leider gelingt dies immer noch nicht flächendeckend.
Besonders benachteiligt sind Schüler, die erst im Laufe der Sekundarstufe I nach Deutschland kommen.

Gemeinsames Leben muss im gemeinsamen Lernen vorbereitet werden.
Wo anders als in den Schulen könnte das geschehen?
Dazu ist es unabdingbar, in der Schule jedes Kind anzunehmen wie es ist und alle Kinder mit der Vielfalt individueller Möglichkeiten vertraut werden zu lassen.
Schule muss ein realistisches Abbild der Gesellschaft werden.

Die Verwirklichung von Inklusion in Schulen beinhaltet die einzigartige Chance, den Gedanken der Gleichberechtigung in der Gesellschaft von unten hineinwachsen und ankommen zu lassen, eine friedliche, in ihrer Umwelt aufgehobene Gesellschaft zu generieren.

Erste Voraussetzung für ein einvernehmliches Zusammenleben wäre eine Verständigung auf Augenhöhe, die nicht ohne ausreichende Sprachkenntnisse zustande kommen kann.
Erstes Ziel muss in der Schule also immer sein, Kinder und deren Eltern zu befähigen, in einen konstruktiven Austausch einzutreten.
Um die eigene Freiheit wahrzunehmen und die Freiheit des anderen zu wahren ist Austausch und Verständigung unabdingbar. Zerrbildern und Vorurteilen kann nur durch Kommunikation vorgebeugt werden.
Auch Kinder aus bildungsfernen deutschen Elternhäusern sind oft ähnlich in ihrer Kommunikationsfähigkeit behindert wie Kinder mit fremder Muttersprache.
Für sie gilt die gleiche Forderung.

Eine weitere Voraussetzung zum Zusammenleben liegt in der Empathie füreinander. Sie kann bisher weder auf Seiten der Einheimischen, noch auf Seiten der Zuwanderer automatisch vorausgesetzt werden. Ziel des Unterrichts muss immer sein, Empathie auf beiden Seiten zu ermöglichen und dadurch Konfliktpotential zu entschärfen.
Die Arbeit mit Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund birgt aufgrund der unterschiedlichen Lebensgeschichten viele Ansatzpunkte, gegenseitiges Verständnis und Toleranz dem „Fremden” gegenüber zu leben.
Ein gemeinsames Interesse aller Kinder ist sicherlich der Wunsch, das eigene Leben individuell gestalten zu können und in Frieden miteinander zu leben.
Daraus kann gegenseitiges Verständnis, gegenseitige Toleranz und Achtung, aber auch Lernen vom jeweils Fremden erwachsen.


Die Arbeit mit Kindern ausländischer Familien verlangt so vielfältige individuelle Lösungen wie ihre Herkunft vielfältig ist und die Motivation ihrer Familien, nach Deutschland zu kommen.
Die Arbeit mit diesen Kindern in ihrer neuen Bezugswelt verlangt individuelle Wege, um Lernen zu ermöglichen und verborgene Potentiale zu nutzen.
Nur individuelle Wege ermöglichen möglichst vielen Kindern, später am Berufsleben und am sozialen Leben teilzunehmen, die eigene Persönlichkeit zu wahren, souverän mit der eigenen Kultur umzugehen und sich bewusst mit anderen Teilen der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig muss sich die Arbeit mit diesen Schülern am gleichen Standard orientieren, der auch für deutsche Schüler Maßstab ist: Ein Schulabschluss, eine Berufsausbildung, ein Arbeitsplatz, die soziale und wirtschaftliche Selbständigkeit.


Inklusion muss für alle gelten. Gemeinsamkeit in Vielfalt ist der einzige Weg, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln ohne die Gemeinsamkeit immer wieder thematisieren oder diskutieren zu müssen.
Nur in der Gemeinsamkeit kann Selbstverständlichkeit wachsen.


Es gilt für inklusive Arbeit die alte Erkenntnis:

 

 

„Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf.”


(Autor unbekannt)

 


Wir haben mit der Arbeit in unserer Schule angefangen und sie im Dorf, im Stadtteil und in der ganzen Gemeinde weitergeführt.